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History

59: Das war Gloria


Mit unseren beiden Weihnachtskonzerten in der Bonner Klangstation ging auch ein Konzertjahr dem Ende zu – Zeit, einen kleinen Rückblick auf die Slapz-Action 2008 zu lancieren. Begonnen hat alles am Tapas-Stand im Café Hahn in Koblenz. Nach einer ordentlichen Stärkung war es dann Zeit für die glorreiche Rückkehr des Matt. Er hatte den Laden schon in seiner Jugend unsicher gemacht und kam nun als gereifter, voll ausgewachsener und erfahrener Mann zurück. Sie hatten ihn noch nicht vergessen dort.

Am nächsten Wochenende dann ein Klassiker im Slapstickers Tourkalender: Uedelhoven. Wie immer voll, wie immer kalt draußen und heiß drinnen – da kommt man gerne wieder. Das Catering war auch mal wieder erstklassig, gute Mütter hatten uns verschiedene Salate und Kuchen gebacken. Eine brauner Kuchen hatte jedoch zuwenig Backofenzeit abbekommen und war recht gallertartig. Es machte Spaß, daraus Würste zu formen und sie auf Küchenpapier zu legen – dieser Anblick führte dazu, dass die komplette Band heiser lachend, mit rotem Kopf (mit Adern drauf) nach Luft rang. Im Nachhinein ebenfalls sehr lustig: Tobi hatte eine solche braune Wurst heimlich auch in Lars Rucksack gesteckt. Einige Tage später darauf angesprochen, hatte er in seinem Rucksack jedoch nichts dergleichen gefunden. Tobi hatte wohl den Rucksack verwechselt und sein Präsent jemandem aus einer anderen Band mitgegeben. Natürlich auch wieder dabei: Die VIP-Eifelmädchen, denen eine Backstage-Dauerkarte gewiss ist. Das Video wurde nicht so lustig wie das aus dem Jahr zuvor, dafür zeigten sie uns diesmal ihre Busen her.

In dieser Zeit nahmen wir mal wieder an einem Wettbewerb teil – diesmal eine Sache von bonnavista.tv, bei der sich acht Bands per Interview, Livesong und Konzertbericht vorstellten (und eine DVD-Produktion gewinnen konnten). Zum Interview mit Christiane Falk sind Christian und Tobi hin und haben dort eine (wie wir finden) ursympathische Vorstellung abgeliefert – sie waren die einzigen, die ohne Poserjacke und/oder -mütze an den Start gingen. Die Aufnahme des Livesongs in einem Bonner Livestudio verkam leider zu einer recht müden Angelegenheit, weil es erstens Sonntagmorgen um 9 Uhr war und zweitens der Livemix einfach nicht klang. However, am Ende wurden wir bei dem Contest Zweite hinter „Peilomat“, die kurz vorher beim Bundesvision-Songcontest 16. geworden waren (wir wären dort also 17. geworden).

Kurze Zeit später ging unser Dancing-Action-Contest zu Ende, bei dem wir um selbstgemachte Videos zu „Boys Are Back“ gebeten hatten. Unvergessen natürlich das Video von dem Frittenkopp, der in China auf dem Platz der Republik gepflegt abskankt und dafür Applaus von begeisterten Chinesinnen erntet – zurecht! In einer eigenen Liga jedoch spielt in jeder Hinsicht das Gewinnervideo und so stand fest, dass wir bei den vier Jungs zuhause aufspielen würden. Das Konzert war dann im Sommer in einem Garten und zählt zu den absoluten Highlights 2008: Nix hier mit PA und Soundcheck, kein Gastspielvertrag, einfach nur natürlicher und doch urgewaltiger Sound unter der Gartenlaube. Was bei uns aus den Instrumenten drang, kam an ursprünglicher, reiner Liebe von der Partygesellschaft zurück, sehr schön! Die Playlist hatten die Jungs selber gemacht und uns u.a. mit „Beat It“ und „Paint It Black“ ein paar Nummern draufgeschrieben, die wir vorher noch schnell 20min geprobt hatten und dann CD-reif aufführten.

Dann die erste größere Bustour des Jahres, es ging nach Braunschweig und Paderborn. In Braunschweig gesellte sich eine junge Dame aus der Supportband zu uns in den Backstageraum. Ein Gespräch kam trotz Piets Bemühungen („und was machst Du so? … hau, ja, interessant!“) nicht so recht in Gang, und so zog sie wieder ab. Da sie nicht viel von sich preisgab, mussten wir auf Spekulationen zurückgreifen. Christian mutmaßte, dass Mädchen wie sie bestimmt Andrea heißen. Außerdem waren wir davon überzeugt, dass sie so ein „Delfinchen“ besitzt. Beim Einladen riefen wir sie „Andrea“, und tatsächlich hieß sie so. Wenn wir dort richtig lagen, mussten wir auch beim Delfinchen richtig liegen. Phil wollte es aber natürlich genau wissen und fragte sie, ob sie ein Delfinchen habe. Sie: „Wie, was für ein Delfinchen denn?“. Er: „Na so ein Delfinchen eben, Du weißt schon.“ „Äh, nein, hab ich nicht“. Es konnte also nur so sein, dass sie einen anderen Namen dafür verwendet. In Paderborn waren wir vom spät-heftigen Vorabend derart gezeichnet, dass einige von uns im Backstage-Bereich, der aus ein paar Tischen direkt neben der Bühne bestand, zu Disco-lauter Vorprogramm-Musik einfach einschliefen. Sie wurden eine Minute vor dem Gig geweckt und taumelten schlaftrunken an ihre Instrumente. Anscheinend gibt es im Paderborner "Cube" verjüngende Luft, denn die Frische, mit der wir anschließend aufspielten, machte dieses Konzert zum einem der jahresbesten. Dies fand wohl auch eine junge Frau namens Nese, die gerne Sex mit Phil haben wollte. Das Pikante dabei: "Die anderen dürfen ruhig zugucken." Phil penetrierte lieber das Gaspedal.

Statt vor Weihnachten schlugen wir dann anschließend zu einem Frühjahrsgig in der Harmonie in Bonn auf und konnten die Stagetime nach zähen Verhandlungen von 20.00 auf 20.10 Uhr verlegen – dennoch wie immer ein schöner Abend. Das kann man vom nächsten Konzert nicht behaupten, das leider unser schlechtester Gig des Jahres war und als „Schande von Leudersdorf“ in die Bandgeschichte einging. Wir waren ersatzgeschwächt, spielten scheiße und/oder lehnten angezählt am Verstärker. Auch nach so einem Konzert kommen noch Leute und sagen „Nee, war echt fett, muss ich sagen“, aber das können wir besser.

Dann kamen noch ein paar kleinere Gigs in der Region, bevor wir uns im Sommer mal wieder in unserer Heimatstadt Brühl blicken ließen, und zwar nicht nur zum proben. Ein paar Cracks hatten ein Live-Festival auf der Südwiese organisiert – und endlich spielten wir mal wieder an der Stelle, wo wir vor vielen Jahren noch von ein paar Idioten aus der damals gerade gegründeten „Musikerinitiative Brühl“ als „arrogante Slapstickers-Arschlöcher“ tituliert worden waren, nur weil wir aus dem selbstüberschätzen Chaosverein sofort wieder ausgetreten waren. Alles richtig gemacht. War ein schönes Ding bei bestem Wetter, Brühl zeigte einmal mehr, dass es hier viele gute Bands gibt. Chris wollte von der Bühne die ganze Südwiese umarmen und schlug Tobi bei diesem Gestus die Lippe auf, die daraufhin ballonartig anschwoll, gottseidank aber wenige Tage später abklang. Im September ging es dann nochmal ins Underground in Köln und am nächsten Tag nach Neuss. An diesem Wochenende kamen über 400 Zuhörer zu uns, 390 davon in Köln (irgendwas war bei diesem Festival in Neuss schief gelaufen). Kurz danach stand dann unsere zweite lange Busreise an, diesmal nach Süden. Die Erlebnisse sind im vorigen History-Kapitel ja detailliert beschrieben…

Den großen Jahresabschluss gab es dann an alter Wirkungsstätte, in der Klangstation Bad Godesberg. Unser alter Weggefährte Christoph Bergerhausen hat in dieser mittlerweile zum Partyschuppen gebürsteten Location den Rock niemals verleugnet und mit uns ein Doppelkonzert direkt vor Weihnachten veranstaltet. Wie immer hatten wir für diesen Abend ein paar Weihnachtslieder vorbereitet, aber diesmal gab es noch etwas ganz besonderes, nämlich die „Ihr-seid-wir“-Aktion. Zur Vorgeschichte: Immer wieder hatten wir in den letzten Jahren Mails von Leuten bekommen, die für die unterschiedlichsten Instrumente Noten von unseren Songs haben wollten. Wenn da draußen also jemand unser Zeug spielt, dann könnte man diese Leute doch mal zusammentrommeln und auf die Bühne stellen. Trotz anfänglicher Skepsis, ob sich genug Leute melden würden, starteten wir die Aktion. Zunächst sollte sie übrigens „Du bis Slapstickers“ heißen, aber die Kollegen von den Busters hatten eine ähnliche Idee und den Slogan „Du bist Busters“ einen Tag früher auf der Homepage. Tatsächlich trudelten so viele Zusagen ein, dass wir zwei komplette Bands zusammenbekamen. Zwei Tage vor dem Konzert gab es ein großes Treffen mit allen bei uns im Probenraum. Gott sei dank haben wir ja neben dem eigentlichen Probenraum auch noch den „Sozialraum“, denn da war richtig Rummel. Als dann alle ihre Instrumente ausgepackt hatten und wir den ersten Durchlauf von „Why Don’t You Smile“ anzählen wollten, kam auch noch Piet mit einer dicken Jacke und einer riesigen Reisetasche in den Probenraum, Mahlzeit. Dann ging’s los und schon nach den ersten Takten wurde deutlich, was Musik eigentlich ausmacht: Da kommen Leute aus allen Richtungen, die meisten kennen keinen der anderen. Und dann fangen sie an zu spielen – nicht jeder seinen Part, sondern alle zusammen den Song. Der klang anders, als wir ihn spielen, aber genau das war das Großartige an diesem Moment. Da waren es nicht mehr irgendwelche Aktionsteilnehmer, sondern eine Band.

Dann kam der Konzerttag, auf unserer Homepage zurecht mit „das wird Gloria“ angekündigt. Der Abend begann mit einem Soundcheck-Marathon. Wir hatten ja noch die Folk-Band „Schlagsaite“ aus unserer Heimatstadt Brühl eingeladen, dazu vier Streicher, die uns bei Weihnachtsliedern und „Rudeboy’s Symphonie“ verstärken sollten. Außerdem sollte die „Ihr-Seid-Wir“-Band den Song nochmal durchspielen und auch wir hatten noch einiges auf der Liste was wir „beim Soundcheck nochmal eben anspielen“ wollten. Der arme Typ am Mischpult hatte an dem Abend insgesamt über 30 Musiker zu betreuen. Am zweiten Abend war dann mit „La Caravane“ eine vielköpfige Band am Start, so dass der Junge auch dort nicht durchschnaufen konnte. Trotzdem sind wir jedes Mal rechtzeitig mit allem fertig gewesen, und so hieß es rechtzeitig „doors open“. Schon im VVK waren massig Tickets gekauft worden und der Laden wurde ganz schnell rappelvoll. Dann fing „Schlagsaite“ an und hatte genau den richtigen Soundtrack für die schöne Stimmung in der Halle parat. Und so bewiesen die 5 Jungs, dass man die Leute auch ohne Gewalt heiß machen kann. Heiß war es aber auch von den Temperaturen, schon beim Betreten der Bühne fiel uns ein, dass Klaus beim letzten Konzert nur in einer eng anliegenden Badehose aufgetreten war. Sein Nachfolger Matt dagegen war mit Jeans, T-Shirt, Longsleeve und Kappe ausstaffiert. Die beiden Girls vor ihm hätten sich sicher nicht geweigert, ihn auszuziehen. Er aber hielt durch.

Nach etwa 10 Songs kam dann die ISW-Band auf die Bühne und wurde schon vor dem ersten Ton abgefeiert, wie wir es selten von einer Band erlebt haben. Nach vielen Jahren auf der Bühne kann man sehr genau hören, um welche Art von Applaus es sich handelt: Das war hier nicht die „Mutmach“-Nummer, sondern ehrlicher Respekt davor, dass sich 10 junge Leute (an diesem Abend fast nur Mädchen um die 20) nach einer Probe einfach auf eine Bühne vor 300 Leute stellen und spielen. Tobi stand im Publikum und hatte nur kurz Zeit, darüber nachzudenken, wie er den Song damals mit Fritto (legendär: sein imitiertes Posaunensolo) am Casio-Keyboard komponiert hatte. Schon erfasste ihn der Mob und die restlichen Slapstickers, mit denen er noch eben zusammengestanden hatte, drifteten in unterschiedliche Richtungen davon. Der Song war zu Ende, zurecht forderte die Crowd eine Zugabe – vielleicht sehen wir die Band ja wirklich nochmal wieder. Dann ging es weiter und zu den Zugaben kam dann das Streichquartett auf die Bühne. Kurz zuvor hatte man sie informiert, in welcher Tonart sie „Maria durch ein Dornwald ging“ spielen sollten, und die schüttelten einfach mal einen vierstimmigen Satz aus dem Ärmel. Nachdem wir die Playlist durchhatten ging es auf Zuruf weiter. Dann hieß es schnell einpacken und in den letzten Zug, in den so ziemlich die gesamte Klangstation eingestiegen ist. Auch „Schlagsaite“, die nochmal die Instrumente auspackte und bis Köln weiterspielte. Phil, Gorle und Tobi gingen noch in Bonn einen trinken. Gorle und Tobi schafften den Absprung, Phil dagegen wurde massiv becirct, doch auch er sagte „Nein“ und ging weg. Er wollte einfach nur gehen, immer weiter. Über die Gleise von Bonn nach Köln. Bis nach Hersel ist er gekommen.

Alles in allem also wieder ein ereignisreiches Jahr mit ein paar Ups & Downs. Konzerte mal drinnen, mal draußen (auch bei Unwetter), mal Antfia-Schuppen, mal gepflegte Jazzlocation. Wir sind überall von Veranstaltern und Gästen gut empfangen worden und hatten sehr viele schöne Begegnungen und wie immer ganz viel Spaß zusammen in der Band. Ach ja: geprobt haben wir im ganzen Jahr nur vier Mal – schon für die Konzerte war es kaum möglich, die ganze Band zusammenzubekommen. Wer so oft zu unseren Konzerten gekommen ist wie Natascha, hat weit mehr als die originalen 9 Cowboys auf der Bühne gesehen, denn bei vielen Konzerten mussten wir mit Aushilfen spielen. So kamen unter anderem unsere alten Weggefährten Klaus und Tilman (dieser auffällig oft in Begleitung einer Schönen) zum Einsatz, oder Robert, der beim Orgelsolo einen Arm mit ausgestrecktem Zeigefinger in die Höhe reckte. Am meisten haben wir aber sicher dem Andy zu danken, der am 4- oder 6-Saiter sehr oft mit dabei war und in Euskirchen auch noch den Genickbruch seiner Gitarre wegstecken musste. Nicht desto trotz: Wenn wir nicht nur von der Substanz leben wollen, müssen wir mal wieder einen Schritt nach vorne machen. Das geht nur mit Proben. Deshalb haben wir bis zur Festivalsaison keine Konzerte zugesagt und werden die Flugtickets dann eben für die Proben und nicht für die Konzerte buchen.

Wir freuen uns auf diese Zeit, vor allem aber schon wieder auf die Konzerte mit Euch. Es war nicht nur die Liebe zur Musik, weswegen wir in den letzten Jahren alle Hindernisse weggesteckt haben und immer noch am Start sind. Dieses Jahr ist mit der LebensWeGe leider eine weitere Band verschwunden, die uns einige Jahre begleitet hat. Wir aber gehen nun in das fünfzehnte Jahr unserer Bandgeschichte. The Slapstickers will never die.

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